Die Werbe-Ikone der 1920er Jahre ist nach Travemünde zurückgekommen: die Persil-Uhr.

Seit Ende November winkt die blütenweiße Persil-Dame am Dr.-Zippel-Park den Passanten nun endlich wieder mit einem Päckchen Waschmittel zu. Den Strom zum Betrieb des flaschengrünen Zeitanzeigers sponsern die Stadtwerke Lübeck. „Wir fördern kulturelles und kulturgeschichtliches Engagement auf vielen Ebenen“, erläutert Stadtwerke-Chef Jürgen Schäffner die Entscheidung des Hauses. „Diese charmante Dame nach Travemünde zurückzuholen, die das Stadtbild markiert hat wie kaum eine andere und die Treffpunkt und Wegweiser gleichermaßen gewesen ist – diese Initiative hat uns als regionalem Energieversorger ganz besonders begeistert.“

Manch Travemünder wird sich noch an den „Reklamepfeiler mit Zeitanzeige“, wie die Uhr ursprünglich hieß, erinnern. Eine Hand lässig am Florentiner-Hut haltend, ihr Kleid windumweht, lächelte die „Weiße Dame“ rund 80 Jahre lang in die Stadt hinein. Im Jahr 1922 wurde sie im Kurgarten an der Travemünder Außenallee ein aufgebaut, 1989 durch die Travemünder Handwerkergemeinschaft abgetragen und am heutigen Standort wieder aufgebaut. Eigentlich.

Denn im März 2012 verschwand die Uhr dann plötzlich und wurde irrtümlicherweise verschrottet. Das wollte der Travemünder Heimatverein nicht einfach so hinnehmen und das Team um Siegfried Austel, erster Vorsitzender des Vereins, setzte alle Hebel in Bewegung, den Platz wieder mit einer Persil-Uhr zu versehen. Drei Jahre lang waren sie aktiv, ging es hin und her, wurde besprochen, verhandelt und erörtert. Das Ergebnis ihrer Bemühungen steht nun endlich wieder an Ort und Stelle. „Und sie tickt auch schon munter vor sich hin“, freut sich Jürgen Schäffner.

„Den Strom für dieses kleine Travemünder Wahrzeichen zu sponsern, sehen wir nicht zuletzt auch vor unserem ausdrücklichen Bekenntnis zur gesellschaftlichen und sozialen Verantwortung“, ergänzt Lars Hertrampf, Pressesprecher der Stadtwerke Lübeck. „So haben wir neben vielen anderen interessanten Projekten beispielsweise auch Instandsetzung und Beleuchtung der Schaukästen unterstützt, die im Innenstadtgebiet installiert sind und Nachbildungen der historischen Stadttore Lübecks zeigen.“

Am 6. Juni 1907 machte die Firma Henkel erstmals öffentlich Werbung für „Persil“ mit einer Anzeige im „Düsseldorfer Stadtanzeiger“. Was folgte, waren bahnbrechende Wege des Marketings. Schon bald marschierten Gruppen von vollkommen in weiß gekleideten Männern mit weißem Persil-Schirm ausgestattet in Massen auf deutschen Straßen umher. Einige Jahre später steckte man Werbehelfer in überdimensionierte Persil-Pakete und schickte sie durch Deutschlands Metropolen.

Als Blickfang für die Marke schuf der Berliner Grafiker Kurt Heiligenstaedt 1922, vermutlich nach Vorbild seiner 18-jährige Freundin, die berühmte „Weiße Dame“. Sie prägte die Persil-Werbung bis in die 1960er Jahre hinein und strahlte auf Waschmittel-Verpackungen, Werbeschildern, Plakaten und Anzeigen. Ein weiterer Genie-Streich gelang dem Düsseldorfer Unternehmen in den 20er Jahren mit der rund drei Meter hohen Persil-Uhr, die in vielen deutschen Städten aufgestellt wurde und gleichermaßen zum Kultobjekt wie zum lokalen Wahrzeichen avancierte – so wie in Travemünde.